Reformierte Kirchen im Aargau

Ein Projekt der Refomierten Landeskirche Aargau
Stritengässli 10, 5001 Aarau, ag@ref.ch

 

Scheibe mit einer Darstellung der sogenannten «Mondsichelmadonna», um 1520 als linker Teil des zweiten Scheibenensembles

Die Glasmalereien

Die Kirche von Uerkheim verfügt über einen alten und wertvollen Bestand an Glaskunst aus den frühen 1520er-Jahren. Die Scheiben wurden anlässlich des Chorneubaus um 1520/21 von der Stadt Bern, dem Chorherrenstift Schönenwerd und der Stadt Zofingen gestiftet. Heute sind noch fünf der ursprünglich sechs Scheiben erhalten, die zusammen mit einer zwischen 1880 und 1886 durch ein Unwetter zerstörten Figurenscheibe aus einem Ensemble von drei Stifter-Doppelscheiben stammen.

Das erste Ensemble befindet sich im zentralen Chorfenster. Es stellt eine Doppelscheibe des Standes Bern dar, die typischerweise in vorreformatischer Zeit (die Stiftung erfolgte 1520/21) aus einer St. Vinzenzen- und einer Bern-Reich-Scheibe bestanden. Die beiden Kunstwerke stammen ebenso wie das zweite Ensemble (Stift Schönenwerd) aus der Berner Werkstatt des Hans Funk (um 1470–1539). Dieser zählte zu den bedeutendsten Schweizer Glasmalern seiner Zeit.

Scheibe mit einer Darstellung des hl. Vinzenz

Doppelscheibe des Standes Bern mit dem hl. Vinzenz und dem doppelten Stadtwappen unter dem Reichsadler

Das zweite Ensemble ist im nördlichen Chorfenster eingebaut und stammt vom Chorherrenstift Schönenwerd, das bis 1539 die Kollatur (das Recht, die Pfarrstelle zu vergeben) der Kirche Uerkheim besass. Hier finden wir auf der linken Seite die berühmte «Mondsichelmadonna», rechtsseitig eine Figurenscheibe des hl. Leodegar. Auch dieses Scheibenpaar wurde in der Werkstatt von Hans Funk 1520/21 hergestellt.

Doppelscheibe des Chorherrenstiftes Schönenwerd mit der «Mondsichelmadonna» (grosses Foto) und dem Stiftspatron, dem hl. Leodegar (Mitte). Figurenscheibe des Zofinger Stadt- und Stiftspatrons, dem hl. Mauritius (rechts). Da der Heilige hier das Zofinger Stadtwappen trägt, dürfte die Stadt Zofingen und nicht das Stift die Scheibenstiftung getätigt haben.


Das dritte Ensemble besteht nur noch aus einer Scheibe, die sich heute im südlichen Chorfenster befindet. Der rechte Teil ist in den 1880er-Jahren einem Unwetter zum Opfer gefallen. Auf der verbliebenen Figurenscheibe ist der hl. Mauritius, der Schutzpatron von Stadt und Stift Zofingen, zu sehen. Die Urheberschaft dieser Scheibe ist ungeklärt. Der Berner Glasmaler Hans Funk dürfte sie nicht geschaffen haben.


Fotos © Hans Fischer




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