Das Innere

Die Kirche Schöftland ist ein Produkt verschiedener Zeiten, weshalb verschiedene Baustile erkennbar sind. Die Kirche ist im Grundriss ein rechteckiger Predigtsaal mit Chor im Osten und Turm im Norden. Das Kirchenschiff mit weissem Verputz weist in der Nord- und in der Südwand jeweils von Westen her drei grosse rundbogige Fenster, einen rundbogiges Seitenportal, überhöht von einem Rundfenster, und dann noch einmal ein rundbogiges Fenster auf.

Das Innere der Kirche mit Blick in den Chor

Der ebenfalls weiss verputzte Chor fügt sich im Osten des Kirchenschiffs an, ist jedoch um einige Meter eingezogen. Er ist dreiseitig geschlossen und weist an der Nordost-, der Ost-, der Südost- und der Nordflanke jeweils ein grosses gotisches Fenster mit Masswerk auf. Die drei erstgenannten Fenster haben zwei Lanzetten, das letztgenannte drei. Hier liegt also ein barockes Kirchenschiff mit einem gotischen Chor vor.

Die Alabasterkanzel aus dem Jahre 1683

Die barocke Kanzel in der Nordostecke des Kirchenschiffs ist eine von wenigen Alabasterkanzeln nördlich der Alpen. Sie stammt aus dem Jahr 1683 und wurde, wie das Wappen am Kanzelkorb vermuten lässt, von Margareta von May (1632–1710) gestiftet. Der Kanzelkorb besteht aus Marmor und weist rundherum Säulen auf, die auf mit Löwenköpfen verzierten Voluten stehen. Der Korb fusst schliesslich auf einer grossen Marmorsäule und ist durch eine Alabastertreppe mit einer Balustrade zugänglich. Über der Kanzel schwebt ein Schalldeckel, der zum Schein aus Alabaster, in Wirklichkeit aber aus Holz besteht.

Abendmahlstisch und aufgeschlagene Bibel

Abendmahlstisch und Bibeln

Der moderne Abendmahlstisch aus Holz steht zwischen dem Kirchenschiff und dem Chor. Auf ihm befinden sich ein Predigtpult und ein Holzkreuz. Die Kirche Schöftland verfügt über zwei grosse Lutherbibeln, die zusammen mit dem Holzkreuz ausgestellt werden können. Die ältere Bibel stammt aus dem Jahr 1563. Sie wurde in Frankfurt gedruckt und ist ein Nachdruck der Lutherbibel von 1545. Beim Durchblättern kann man immer wieder lateinische Kommentare von Theologen entdecken. 1605 und 1610 vermerkte ein Leser, dass er diese Bibel bereits dreimal durchgelesen habe und jetzt noch ein viertes Mal beginne. Die jüngere Bibel aus dem Jahr 1676 wurde in Basel gedruckt und beinhaltet auch die apokryphen Bücher der Bibel, welche in der katholischen Kirche als verbindlich gelten, in der lutherischen Kirche geachtet und in der reformierten Kirche weggelassen werden. Diese Bibel kam wahrscheinlich in der Zeit des Kirchenneubaus nach Schöftland. Dabei ist auffällig, dass Schöftland stets die Lutherbibel den reformierten Bibeln aus Zürich oder Bern vorgezogen hat. Der Grund ist wohl in der starken sprachlichen Ausgestaltung zu suchen.

Die Orgel

Die Orgel steht auf der Empore an der Westwand des Kirchenschiffs. Die heutige Orgel ist bereits die dritte, welche in dieser Kirche seit deren Bau gestanden hat. Die erste Orgel wurde im Jahr 1812 beschafft. Die sogenannte «Willimann-Orgel» stand 100 Jahre lang in der Kirche, bis sie 1912 schliesslich durch eine mit 26 Registern aus dem Haus Goll ersetzt worden ist. Wegen ihrer schlechten pneumatischen Traktur musste sie immer wieder repariert und gewartet werden, sodass sie nach 50 Jahren bereits unbrauchbar geworden war. Die Firma Fehlmann Söhne sicherte der Kirchgemeinde im Jahr 1962 die Finanzierung einer neuen Orgel zu, sodass die heutige Orgel – hergestellt bei der Firma Kuhn in Männedorf – am Bettag 1965 eingeweiht werden konnte. Sie verfügt über 30 Register und besteht aus vier Teilen, nämlich einem Hauptwerk in der Mitte und zwei Türmen zu beiden Seiten, welche die Hauptorgel bilden, und einem Rückpositiv. Eigentlich hätte der Hauptorgel noch ein Schwellwerk in der Mitte hinzugefügt werden sollen. Da aber beim Abbau der Vorgängerorgel ein rundes Fenster in der Westwand der Kirche zum Vorschein kam und die Denkmalpflege dieses sichtbar halten wollte, musste auf das Schwellwerk verzichtet werden.

Empore und Orgel

In die Brüstung der Empore ist das Rückpositiv eingefügt. Es handelt sich dabei um eine zusätzliche kleine Orgel im Rücken des Spielers, welche aber von derselben Tastatur aus bespielt wird.

Kirchengeräte

Unter dem Emporenaufgang in der Nordwestecke des Kirchenschiffs befindet sich der Schrank mit den Kirchengeräten. Sie verdienen eine spezielle Erwähnung, weil sie trotz hohem Alter zum grössten Teil noch in Gebrauch sind. Die Kirchengeräte dienen zur Austeilung der beiden reformierten Sakramente Taufe und Abendmahl. Den Geräten kommt dabei keine besondere Heiligkeit zu, da das reformierte Abendmahlsverständnis zwischen der menschlichen Sakramentshandlung, welche das Heilshandeln Gottes am Menschen resp. den Bund zwischen Gott und Mensch zeichenhaft darstellen, und der effektiven Heilszueignung, die allein Gott obliegt, unterscheidet.

Die beiden zinnernen Abendmahlskannen aus dem Jahre 1620

Die wahrscheinlich ältesten Geräte sind die beiden zinnernen Abendmahlskannen aus dem Jahr 1620. Sie sind 35,5 Zentimeter gross und zeigen auf ihrem Hals jeweils die Wappen des Stifters Valentin II. (geboren um 1580) von Luternau und seiner Gattin Käthe von Wittenbach. Hergestellt wurden sie von Alexander Bäschlin aus Schaffhausen. Er war 1615–1635 in Biel tätig. Da die beiden Kannen Raritäten sind, wurde 1975 eine neue Zinnkanne für den gottesdienstlichen Gebrauch beschafft. Sie ist an der Inschrift «Kirchgemeinde Schöftland 1975» erkennbar.

Zur Aufbewahrung und Ausgabe des Abendmahlsweins beschaffte sich die Kirchgemeinde im frühen 18. Jahrhundert die drei heute noch vorhandenen zinnernen Bulgen mit der Aufschrift «Kirchen zu Scheftland». Sie wurden vermutlich von Hans Müller (1691–1765) aus Zofingen angerfertigt, fassen jeweils 6 Liter und haben ein Gewicht von 5,5 Kilogramm.

Zur Austeilung des Abendmahls dienen auch die vier vorhandenen Kelche. Charakteristisch für sie ist ihr sechsseitiger Knauf. Sie wurden zuerst aus Silber gefertigt und danach vergoldet. Alle vier bringen es auf eine Höhe von 21,1 Zentimeter. Drei der vier Kelche wurden von Bartholomä und Margareta von May gestiftet, welche den Kirchenneubau von 1683 veranlasst haben und deren Familienwappen auf den Kelchen zu sehen ist. Gemäss dem Beschauzeichen wurden diese Kelche in der Zeit des Kirchenneubaus von einem H.R. aus Zofingen hergestellt. Der vierte Kelch wurde im Jahr 1870 von der Kirchgemeinde beschafft und trägt die Inschrift «Friede sei mit euch, Kirchgemeinde Schöftland».

Bis jetzt wurden die Geräte für die Austeilung des Weines, des Symbols für Christi Blut, das den Neuen Bund zwischen Gott und Mensch geschlossen hat, erwähnt. Zu einem reformierten Abendmahl gehört aber auch das Element Brot, das den für die Menschen dahingegebenen Leib Christi symbolisiert und die Menschen an ihre eigene Integration in diesen erinnert. Zu dessen Austeilung dient der Brotteller aus Zinn. Er trägt dasselbe Beschauzeichen wie die Bulgen, weshalb davon ausgegangen werden kann, dass er zur selben Zeit wie diese hergestellt worden ist. Auf seiner Unterseite befindet sich die auf den Bulgen ebenfalls auffindbare Inschrift «Kirchen zu Scheftland».

Für Taufen sind verschiedene moderne Taufschalen vorgesehen.

In der Südostecke des Kirchenschiffs befindet sich ein Konzertflügel, der nach Bedarf gebraucht und auch verschoben werden kann.