Reformierte Kirchen im Aargau

Ein Projekt der Refomierten Landeskirche Aargau
Stritengässli 10, 5001 Aarau, ag@ref.ch

 

Blick durch den Innenraum zum Chor

Das Innere

Der Grundriss der Kirche ist ein ungegliederter rechteckiger Predigtsaal mit einem westlichen, einem nördlichen und einem südlichen Eingang. Der Innenraum besteht aus dem Kirchenschiff und der daran angebauten Erlachkapelle. Das Kirchenschiff besteht wiederum aus drei Teilen. Im Westen befindet sich der Haupteingang, der in einen unbestuhlten Begegnungsraum hineinführt. Dieser ist überdacht von der Westempore. Daran schliesst das Kirchenschiff mit seinen Kirchenbänken an. Im Osten befindet sich schliesslich der Chor, der vom Rest der Kirche durch seine erhöhte Position eine Balustrade abgegrenzt ist. An den Chor schlisst südöstlich die Erlachkapelle an.

Kirchenschiff

Tritt man unter der Empore hervor, steht man im einschiffigen Kirchenraum mit Holzbänken zur Linken und zur Rechten. Der Blick wird über die symmetrischen Fensterpaare, die durch Stuckpilaster getrennt sind, hin zum Quergang, an dessen nördlichem und südlichem Ende sich je ein Seitenportal befindet, und schliesslich hin zum etwas erhöhten Chor gezogen. Wer nicht in Staunen erstarrt ist oder unwiderstehlich vom Chor angezogen wird, sollte seinen Blick noch zur Decke emporrichten. Dort wird man barocke Stukkaturen in verspielten Formen entdecken. Umrahmt wird die Decke durch ein Stuckgesims. Zierlich, ästhetisch, sorglos, aber doch nicht greifbar für uns, so erscheint die Decke uns, die wir am Boden sind, und lässt uns unsere Situation erkennen, in der wir auf dieser Erde sind, wenn wir emporschauen zum Himmel.

Blick in den Chor

Chor

Das östliche Drittel des Kirchenraumes, der Chor, ist gegenüber dem Kirchenschiff erhöht und von diesem durch marmorierte Balustraden und zwei Stufen in der Mitte abgetrennt. Die Ostwand wird beherrscht durch die grosse Orgel in der Mitte. Südlich von ihr ist der Zugang zur Erlachkapelle mit einem Metallgitter davor. Nördlich der Orgel befindet sich auf den ersten Blick ein weiteres Tor, doch es handelt sich um eine Scheintür. Aus Symmetriegründen wird dort ein zweites Metallgitter angedeutet, doch es handelt sich um eine bemalte Wand. Die Kanzel ist im Wesentlichen ein freitragender Polygonkorpus, der in geschweiftem Rokoko-Stil gestaltet ist und aus dem Jahr 1779 stammt. Bis 1930 war sie an der Ostwand, in der Mitte des Chors und somit der Gemeinde direkt gegenüber. Dies entsprach der reformierten Theologie, wo das Wort Gottes als einzige Möglichkeit der Gotteserkenntnis im Zentrum steht, die Menschen anspricht und zu sich ruft. Die Kanzel wurde dann an den südlichen Rand des Chors versetzt und die Orgel an ihre vormalige Stelle gestellt. Heute steht davor – und somit im Zentrum des Chors – ein Holzaltar, worauf eine aufgeschlagene Bibel liegt.

Epitaphien

Eine weitere Besonderheit des Chors sind die Epitaphien (Denkmäler mit Gedenkinschrift für Verstorbene) für die drei bernischen Landvögte in Kasteln. In die Südwand eingelassen ist jene für Emanuel Lerber (1641-1738) mit dem schildhaltenden Löwen im Wappen. In die Nordwand eingelassen sind jene für Johann Rudolf von Mülinen (1703-1743) mit dem Mühlrad im Wappen und für Gottlieb Morloth (1703-1756) mit einer Porträtkartusche, die vom geflügelten Saturn gehalten wird.

Die Orgel

Orgel

Die Orgel steht in der Mitte des Chors. Die heutige Orgel stammt aus dem Hause Metzler und wurde 1977 eingeweiht und im Frühjahr 2008 revidiert. Sie besteht aus Eichenholz (die Rückseite ist Fichtenholz), ist 6.28 m hoch und 3.68 m breit. Sie umfasst 2 Manuale, 19 Register, wovon 3 Zungenregister sind, und 1266 Pfeifen und ist rein mechanisch.

Die Erlachkapelle

Erlachkapelle

Die Erlachkapelle wurde im Jahr 1650 von Margareta von Erlach (1611-1655) für ihren verstorbenen Ehemann Hans Ludwig von Erlach (1595-1650) als Grab- und Gedenkstätte erbaut. Sie wurde dann auch dort bestattet. Man betritt diese Kapelle durch ein Metallgitter im südlichen Rundbogen in der Ostwand, auf dessen Scheitelpunkt das Erlachwappen thront. Eingetreten findet man sich in einem düsteren, rechteckigen Kreuzrippengewölbe wieder. Licht kommt einzig durch das runde Fenster in der Südwand, das zwei Wappenscheiben mit Erlachwappen zeigt. Man steht direkt vor einer Sandsteinplatte mit dem Erlachwappen in der Mitte des Bodens. Darunter befindet sich die Gruft des Ehepaares von Erlach. Auf dieser Platte steht eine Glocke aus dem Jahr 1645, deren Inschrift Hans Ludwig von Erlach als Herr zu Castel und Gubernator zu Breisach bezeugt. Direkt über der Grabplatte befindet sich der Schlussstein des Kreuzrippengewölbes mit dem Erlachwappen. An der Ost- und der Nordwand stehen nun die beiden hochbarocken über 4.5 m und fast 2.6 m breiten hohen Grabmäler, die zu den schönsten der Schweiz zählen. Beide sind zweigeteilt in einen Unter- und einen Oberbau. Der Unterbau besteht aus einer Inschriftentafel, gerahmt durch zwei Säulen und Voluten mit Engelsköpfen. Der Oberbau besteht jeweils aus einem Rechtecksfeld mit dem Erlachwappen als Zentrum, zwei allegorischen Figuren zu den Seiten und einem Segmentgiebel mit Totenkopf. Während der Unterbau bei beiden Grabmälern gleich bleibt, unterscheiden sich die Oberbauten.

Hans Ludwig von Erlach ist jenes in der Ostwand gewidmet. Der Oberbau zeigt hier einen gesprengten Segmentgiebel. Die allegorischen Figuren sind Fides (lat. Glaube) mit Bibel und Abendmahlskelch und Constantia (lat. Beständigkeit) mit einer Burg in der Hand.

Das Grabmal der Margareta von Erlach hat einen geschweiften Giebel und zeigt die Figuren Caritas (lat. Nächstenliebe) mit zwei Kindern und Patientia (lat. Geduld) in frommer Pose. Auffällig ist hier der Bibelspruch aus Hiob 19.25 im Rechtecksfeld über dem Erlachwappen: «Ich aber weiss: Mein Erlöser lebt!». Gerade dieser Spruch trägt zur faszinierenden Spannung in der Atmosphäre der Erlachkapelle bei, jener Spannung zwischen dem Totenkopf und dem Bibelspruch, zwischen der beklemmenden Wirklichkeit des Todes und der befreienden Hoffnung auf die Möglichkeit der Erlösung.

Empore

Die Empore befindet sich an der Westseite der Kirche. Sie besteht aus Holz und tritt in einer geschweiften Form nach vorne. Der Rand ist durch eine Balustrade begrenzt. Die Empore trägt ein in Stufen zu einem Rundbogen hin ansteigendes Gestühl und bietet einen Überblick über das gesamte Kirchenschiff und die Stuckdecke, die aus dieser Perspektive noch einmal eine andere Wirkung hat, sodass sich der eine oder andere dem Himmel ein paar Meter näher fühlen wird. Zudem kann nun ein sonst nicht sichtbares Wappen über der Orgel erspäht werden.

Der Begegnungsraum im hintersten Teil der Kirche

Begegnungsraum

Betritt man die Kirche, steht man zuerst im hintersten Teil des Kirchenschiffs unter der Empore, der kein Gestühl aufweist. Dieses wurde im Rahmen der Renovation 2006 entfernt. Stattdessen ist dieser Begegnungsraum entstanden. An der Wand der nördlichen Hälfte steht ein Einbau eines Korpus mit einem Wasseranschluss und einer grossen Ablagefläche für Apéros, das Kirchencafé etc. Es gibt auch genug Platz für ein geselliges Beisammensein. Die südliche Hälfte bietet mit seiner Spielecke Raum für Kinder. Dort können sie während der Gottesdienste und Anlässe malen oder mit Bauklötzen neue architektonische Meisterwerke erfinden. In der Mitte stehen Tische mit Informationsmaterial zur Kirche und zu Aktivitäten der Kirchgemeinde und der Landeskirche. Hier wird der soziale Aspekt von Kirche gelebt. Vor dem Weitergehen sollte man die Emporensäulen noch genauer betrachten. Ihre Marmorierungen geben einen Hauch von mediterranem Ambiente.




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