Impressionen zu den Evangelistensymbolen an der Chorraumwand

Eine Fasnachtsmaske, eine Schlange, ein Wasserfall und braune Wellen? Besucher finden solche Assoziationen, wenn sie die Wandmalerei in unserer Kirche anschauen. Und ja, gewiss fallen dem Betrachter zunächst die vier Elemente ins Auge: Feuer, Erde, Luft und Wasser. Diese haben zwar gar nichts mit dem Christentum oder der Kirche zu tun, wurden aber schon früh mit den Evangelistensymbolen in Verbindung gebracht. Und noch davor hat man in der alten Kirche die Vision des Propheten Ezechiel vom Thronwagen Gottes im Alten Testaments mit den vier Evangelisten des Neuen Testaments zusammengebracht.

Die Wandmalerei im Chor mit den vier Evangelistensymbolen

Im ersten Kapitel beschreibt Ezechiel den Thron Gottes (Ezechiel / Hesekiel 1, 5 – 10) mit vier Gestalten mit je vier Angesichtern: Mensch, Stier, Adler, Löwe. Abgesehen davon, dass Vier die Zahl alles Umfassenden darstellt – von den vier Himmelsrichtungen über die vier Paradiesflüsse zu den vier Jahreszeiten, wurden die Gestalten den Evangelisten zugewiesen und eben den Elementen. So bekam Markus den Löwen im Feuer, Johannes den Adler, der ins Wasser sticht, Matthäus den Mensch/Engel im Windwirbel und Lukas den Stier, der fest auf der Erde steht. Die Evangelisten, bezeichnet durch ihre Symbole an der Wand, auf die jeder Besucher, jede Besucherin immer schaut, bekommen somit prominenten Raum in unserer Kirche. Und sie stärken den Predigerinnen und Predigern den Rücken.

Die Symbole sind nebst dem Kreuz auf unserem Kirchturm noch eine Verbindung zur katholischen Kirche: In vielen der katholischen Kirchen im Freiamt und sonstwo finden sich die Evangelistensymbole ebenfalls, zumeist an dem Ort, wo das Evangelium verkündet wird: am Ambo oder an der Kanzel.

Und schliesslich: Bei der Kirchenführung für die Konfirmanden frage ich jeweils, welcher der Evangelisten keine «Beiz» in Muri habe. Dann tragen sie zusammen: Ja, es gibt den Engel, den Adler und den Ochsen – aber den Löwen? Nein, den gibt es nicht, aber den gab es in Muri und die «Beiz» hiess erst noch «Roter Löwe»!

© Pfarrerin Bettina Lukoschus