Die Kirchen- und Baugeschichte

Die Zeit vor der eigenen Kirche

Das Dorf Meisterschwanden war seit frühester Zeit Bestandteil der Pfarrei Seengen und der dortigen Mauritiuskirche. Die Pfarrei umfasste neben Seengen auch Tennwil, Alliswil, Meisterschwanden sowie einen Teil von Boniswil, Egliswil und Hallwil. Fahrwangen gehörte dagegen zusammen mit Bettwil und Uezwil zur Pfarrei Sarmenstorf. Nach der Reformation von 1528 wurde Fahrwangen der nun reformierten Pfarrei Seengen zugeteilt.

Durch die Reformation wurden die Dörfer rechts des Hallwilersees zum konfessionellen Grenzgebiet und mussten in der Folge während des «Konfessionellen Zeitaltes» (1528–1712) bei jedem Waffengang Plünderungen und Vertreibungen erdulden – so etwa 1656 und 1712 im Rahmen der Villmerger Kriege.

Ansicht der Kirche Meisterschwanden im Jahr 1937 auf einem Gemälde von R. Strüdel. Sichtbar ist auch die alte, ausserhalb der Kirche angebrachte Heizanlage. Der Kamin wurde linksseitig des rechten «Kanzelfensters» zum Dach hinauf geführt.

Die älteste Kirche in Seengen dürfte bis ins Frühmittelalter (um das Jahr 900) zurückreichen, ein Neubau erfolgte 1490. Ende des 18. Jahrhunderts wurde die alte Kirche von Seengen immer baufälliger und stürzte schliesslich 1820 ein, worauf sie ein Neubau ersetzte, der auf den gleichen Bauplänen beruhte, wie die neu errichtete reformierte Kirche in Meisterschwanden. Beide Gotteshäuser wurden vom Beromünsterer Baumeister Jost Kopp (1759–1830) entworfen und gebaut.

Die alte Kirche von Seengen, die 1825 abgebrochen wurde, in einer Abbildung aus David Herrlibergers «Topographie der Eydgnosschaft» von 1754 (Ausschnitt des Blattes über das Schloss Hallwyl.

Wie Meisterschwanden und Fahrwangen zu einer eigenen Kirche kamen

Erste Pläne für eine eigene Kirche äusserten Vertreter der Gemeinden Fahrwangen und Meisterschwanden bereits 1797. Ursache war die geforderte Kostenbeteiligung für die Kirchenrenovation in Seengen.

Einen nächsten Hinweis auf eine Abtrennung von der Kirchgemeinde Seengen findet sich 1809. Wiederum ging es um die Kosten, dieses Mal für einen Neubau der Kirche in Seengen, weil man es versäumt hatte, während der Franzosenzeit (seit 1798) dringend notwendige Reparaturarbeiten auszuführen.

In einem Gutachten wurden 1810 Gründe für und gegen eine Abtrennung der Gemeinden Fahrwangen und Meisterschwanden von der Kirchgemeinde Seengen aufgelistet. Dafür sprach vor allem die Wegdistanz nach Seengen, die besonders im Winter für ältere Kirchgenossen und Kinder aus Meisterschwanden und Fahrwangen beschwerlich war, oder dass die Toten nicht im eigenen Dorf sondern im eine Stunde entfernten Friedhof beerdigt werden mussten. Als Hauptgrund gegen eine eigene Kirchgemeinde wurden die vielfältigen und hohen Kosten für eine neue Kirche, für den Bau eines Pfarrhauses und die Pfarrerbesoldung etc. ins Feld geführt.

Trotz der unklaren Situation empfahl die Regierung wenige Monate nach dem Gutachten plötzlich die Abtrennung der Gemeinden von Seengen und der Kirchenbau.

Die Regierung schob wegen der unklaren Finanzierung die Sache auf die lange Bank und vertröstete die Gemeinden, die immer lauter die Zustimmung des Kleinen Rates (Regierungsrates) forderten. Zwischenzeitlich wurde 1811 der Beromünsterer Architekt Jost Kopp beauftragt, Baupläne für eine neue Kirche zu erstellen. Fast gleichzeitig traf ein Bittschrift aus Meisterschwanden bei der Regierung ein, die den Verbleib bei der Kirchgemeinde Seengen verlangte, während Fahrwangen einstimmig dem Neubau zustimmte. Hauptargumente der Einsprecher waren die Angst, völlig zu verarmen, und die offenbar unzureichende Information der Bürger über das Projekt.

Der Kirchenbau und die Gründung einer eigenen Kirchgemeinde wurden vom Kanton aber auch von der innerdörflichen Opposition für weitere Jahre hinausgezögert. Erst mit dem Dekret vom 19. Juni 1817 wurde die Gründung der eigenen Kirchgemeinde und – darauf aufbauend – auch der Bau einer eigenen Kirche in Meisterschwanden möglich

Die Lage der Kirche von Meisterschwanden auf der Michaeliskarte aus dem Jahr 1844, also etwa 20 Jahre nach dem Bau. Das Gotteshaus stand damals noch ziemlich alleine auf weiter Flur.

Ein schwieriger Kirchenbau

Am 19. Juni 1817 wurde das Dekret des Grossen Rates über die Errichtung einer reformierten Kirchgemeinde für die Gemeinden Fahrwangen und Meisterschwanden verabschiedet. Anfang April 1818 lag es nun in den Händen der Gemeinden Meisterschwanden und Fahrwangen mit dem Bau zu beginnen, doch die Grundsteinlegung verzögerte sich weitere drei Jahre. In einem Aktenstück der Gemeinde Fahrwangen aus dem Jahr 1819 wird deutlich, wo die Gründe dafür zu suchen waren. Dort ist nämlich zu lesen, wie viel die Menschen in den vergangenen Jahren hätten ertragen müssen, und welche Opfer für die Kriege der Napoleonischen Zeit, für die Ablösung der alten Bodenzinse sowie für die «fehlbaren und theuren Jahre» 1816 und 1817 (Ernteausfälle und Hungerkrise) hätten erbringen müssen. Noch im gleichen Jahr (1819) schaffte man Baumaterial aus der Region herbei, begann aber nicht mit den Arbeiten, denn mittlerweile war es Spätherbst geworden.

Gegen das Jahresende hin wurden erneut kritische Stimmen laut, die den schon lange (seit 1811!) festgelegten Bauplatz beim gemeinsamen «Trüllplatz» der beiden Gemeinden Meisterschwanden und Fahrwangen wieder verlegen wollten. Hauptstreitpunkt war dieses Mal die Höhenlage des Gotteshauses, weil weiter unten – wie Meisterschwanden dies forderte – von Fahrwangen aus nur noch die Kirchturmuhr sichtbar gewesen wäre.

Einen Monat später, Ende Januar 1820, scheint man sich auch dank eines gewissen Druckes seitens des Oberamtmanns des Bezirks Lenzburg einig geworden zu sein. Schliesslich sollte die Ablösung von Meisterschwanden und Fahrwangen von der Pfarrei Seengen bereits am unmittelbar bevorstehend 12. März 1820 vollzogen werden. Zu diesem Zeitpunkt sollte auch Kaspar Angst, bisheriger Verweser in Seengen, wiederum als Verweser der neuen Kirchgemeinde vorgestellt werden. Eine dauerhafte Anstellung war für diesen jungen Seelsorger also nicht vorgesehen. Nach Abschluss der Bauarbeiten sollten Pfarrer Angst nämlich entlassen und eine neue Pfarrperson auf Dauer gewählt werden.

Winterbild der reformiertenKirche Meisterschwanden im Schneetreiben von Pfarrer Kuno Christen (†1975) vonSüden her gesehen. Eine zeitlose Ansicht des Gotteshauses.

Im Frühjahr 1820 begannen endlich die Bauarbeiten nach langen Verzögerungen, jedoch nach abgeänderten Plänen, die gegenüber dem ursprünglichen Projekt erhebliche Unterschiede aufwiesen. In allen Ausmassen sollte die Kirche beträchtlicher kleiner werden, als geplant. Als Architekt fungierte Jost Kopp, der Bau wurde jedoch von Baumeister Rey aus Muri ausgeführt.

Im Juli 1821 wurde ein «Eckstein-Trunk» im «Bären» veranstaltet, was wohl der Grundsteinlegung entsprach. Im September 1820 erfolgte die Meldung nach Aarau, die Kirche sei «unter Dach» und man erwarte nun die Auszahlung der ersten Hälfte der versprochenen Subvention. Ab Februar 1821 gingen die Arbeiten an Kirche und Turm weiter.

In den Turm kam ein Geläute aus drei Glocken, die bei Meister Bär, dem Vorläufer der Glockengiesserei Rüetschi, in Aarau gegossen worden waren. Am 23. Mai 1822 wurden sie zum ersten Mal von Friedrich Sigrist geläutet.

Wie zu Zeiten vor dem eigentlichen Kirchenbau gingen die Zwistigkeiten zwischen den beiden beteiligten Gemeinden auch nach dem Bau weiter, etwa in der Frage eines zweiten Zugangs zum Kirchhof, den Fahrwangen damals ultimativ einforderte und schliesslich auch erhielt.

Mit dem Abschluss der Bauarbeiten lief die Amtszeit des Pfarrverwesers Kaspar Angst ab, der nun eine neue Anstellung in seinem Heimatort Bonstetten erhielt. An seine Stelle wurde als erster Pfarrer Jakob Amsler gewählt. Er war bisher als Vikar in Reinach tätig gewesen und sollte seine neue Stelle während 15 Jahren bis 1836 bekleiden.

Auch nach der Pfarrwahl dauerte der Abschluss der Bauarbeiten an der neuen Kirche bis weit ins Jahr 1822 hinein.

Die weitere Entwicklung bis heute

Im Jahr 1957 erhielt die reformierte Kirche Meisterschwanden ein neues Geläute von nun fünf Glocken (bisher drei).

Zum Glockenaufzug im Jahr 1957wurden die neu gegossenen Glocken festlich bekränzt mit Pferd und Wagen zurKirche transportiert. Dort zogen sie die Schulkinder in den Turm hinauf, wo siedann in den Glockenstuhl eingehängt werden konnten.

Einer Renovation im grossen Ausmass wurde das Kirchengebäude in den Jahren 1977 / 1978 unterzogen. Seither steht das Kirchengebäude unter Denkmalschutz. Im Jahre 1982 wurde ein Pavillon neben dem Parkplatz aufgestellt. Er diente für die unterschiedlichsten Veranstaltungen der Kirchgemeinde, von Sonntagsschule bis zum Treffpunkt der Alterskreise, von Sitzungen der Kirchenpflege bis zu Chorproben des ad hoc Chores. Auch die Jugendgruppe traf sich hier; wechselte dann später in einen Raum an die Eggenstrasse in Meisterschwanden. Im Juni 1997 wurde das neu erstellte Kirchgemeindehaus eingeweiht. Die Räumlichkeiten stehen für die unterschiedlichsten kirchlichen Aktivitäten und Gruppen zur Verfügung und können auch für private Anlässe gemietet werden.

Seit Juni 2007 befinden sich die Büroräume der Kirchgemeinde im Haus am Kirchrain 38. Das ganze Gebäude wurde von der Kirchgemeinde erworben.