Reformierte Kirchen im Aargau

Ein Projekt der Refomierten Landeskirche Aargau
Stritengässli 10, 5001 Aarau, ag@ref.ch

 

Die Wappenscheibe für Rudolf Herport, entstanden um 1498

Die Glasmalereien

Die sieben Wappenscheiben der Kirche Leerau stellen zweifellos den wertvollsten Kirchenschmuck dieses Gotteshauses dar. Es handelt sich um zwei Objekte aus der Zeit um 1498, also noch aus dem Spätmittelalter, vier Objekte aus der Umbauzeit zur heutigen Erscheinungsform der Kirche von 1599 sowie ein Objekt von 1651. Bei keiner der sieben Scheiben ist der Glasmaler bekannt.

(1) und (2) Ein Allianzscheibenpaar von Rudolf Herport und Apollonia von Rüssegg, entstanden um 1498. Rudolf Herport war über die Familie seiner Frau an die Herrschaften Liebegg, Rued und Schöftland gekommen. 1494 stieg er in den Adelsstand auf, vor 1509 ist er gestorben. Beide Wappenscheiben dürften anlässlich der Ende des 15. Jahrhunderts durchgeführten Kirchenerneuerung gestiftet worden sein.

   

Das Allianzscheibenpaar von Rudolf Herport (links) und Apollonia von Rüssegg (rechts)

Die Scheiben 3–6 stammen von Georg May und seinen drei verheirateten Söhnen. Sie sind im Nachgang zur Kirchenerweiterung von 1596 gestiftet worden.

(3) Eine Allianzwappenscheibe von Wolfgang May und Agathe Sigelmann, entstanden 1599. Wolfgang May (1566–1625) war ein Sohn von Georg May und Maria Peyer (Scheibe 4). Er fungierte seit 1585 als Mitherr zu Rued. Seine Frau gehörte der Delsberger Adelsfamilie Sigelmann an.

(4) Eine Allianzwappenscheibe von Georg May und Maria Peyer, entstanden 1599. Georg May (†1586), Bernburger sowie Bürger von Thun und Aarau, war seit 1566 Herr zu Rued, zu dessen Herrschaft auch Leerau einschliesslich der Kirche gehörte. Seit 1583 sass er im Grossen Rat der Stadt Bern. Seine Frau Maria Peyer (†1602) stammte aus Schaffhausen. Bei dieser Wappenscheibe handelt es sich um eine Nachstiftung, da Georg May bereits 1586 verstorben war.

   

Die beiden Allianzwappenscheiben von Wolfgang May und Agathe Sigelmann (links) sowie Georg May und Maria Peyer (rechts).

(5) Eine Allianzwappenscheibe von Bartlome May und Elisabeth von Wattenwyl, entstanden 1599. Barthlome May (1567–1611) war ebenfalls ein Sohn von Georg May und Maria Peyer (Scheibe 4). Neben der Herrschaft Hünigen verfügte er gleichzeitig über die Mitherrschaft zu Rued. Ab 1588 sass er im Grossen Rat der Stadt Bern, wurde 1592 Kastellan (Landvogt) in Zweisimmen und 1601 Landvogt in Yverdon. Seine Frau Elisabeth von Wattenwyl heiratete 1584 nach dem Tod ihres ersten Ehemannes Bartlome May. Beide Eheleute starben 1611 an der Pest.

(6) Eine Allianzwappenscheibe von Hans Georg May und Katharina von Mülinen, entstanden 1599. Barthlome May (1567–1611) war wie seine bereits vorgestellten Brüder (Scheiben 3 und 5) ein Sohn von Georg May und Maria Peyer (Scheibe 4). Hans Georg May (1560–1609) wurde 1585 Herr zu Winigen und Mitherr zu Rued. Seine Frau Katharina von Mülinen heiratete nach dem Tod ihres Ehemannes aus dem Hause May zwei weitere Male.

Die drei Allianzwappenscheiben von Bartlome May und Elisabeth von Wattenwyl (links), Hans Georg May und Katharina von Mülinen (Mitte) sowie Johann Rudolf I. May und Margaretha von Mülinen (rechts).

(7) Eine Allianzwappenscheibe von Johann Rudolf I. May und Margaretha von Mülinen, entstanden 1651. Johann Rudolf I. May (1619–1672) besass zusammen mit seinem Bruder Beat Ludwig May (1611–1659) die Herrschaft Rued. Beide wechselten sich in der Ausübung der Herrschaftsrechte jährlich ab. Johann Rudolf May stand lange in französischen Kriegsdiensten und wurde 1653 Festungskommandant in Lenzburg. Er blieb weiterhin vielfach militärisch aktiv, beispielsweise als Oberst der kurpfälzischen Schweizergarde. Margaretha von Mülinen (1632–1710) war bereits die zweite Ehefrau von Johann Rudolf May. Er ehelicht sie nach dem Tod seiner ersten Gattin 1651. Dieser Eheschluss dürfte der Anlass zur Stiftung je einer Allianzscheibe in die beiden Kirchen der Herrschaft Rued – Kirchrued und Kirchleerau – gewesen sein. Ab 1664 war er durch Tausch mit seinem Schwiegervater Herr zu Schöftland.

Fotos © Hans Fischer und Markus Widmer-Dean




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