Die Kirchen- und Baugeschichte

Fislisbach ist Teil der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Mellingen. Bis in die 1970er-Jahre wurden die Reformierten vom Pfarrer der Teilgemeinde Rohrdorf betreut. Ein bis zwei Mal pro Monat feierten die Gemeindemitglieder Gottesdienst im katholischen Vereinshaus, und die Sonntagsschule fand im ehemaligen Schulhaus – heutiges Gemeindehaus – statt. Diese Situation empfanden einige Fislisbacher Reformierte als unbefriedigend, und sie schlossen sich 1968 zu einem Kirchenbauverein zusammen. «Erstes Ziel war ein eigener Gottesdienstraum in Fislisbach – an eine Kirche wagte man noch nicht zu denken. » (Peter Müri: Das reformierte Gemeindezentrum Fislisbach, S. 2).
1975 war dieses Ziel erreicht: Man errichtete gemeinsam mit der katholischen Kirchgemeinde ein ökumenisches Kirchgemeindehaus an der Dorfstrasse. Nur wenig später erhielt Fislisbach ein eigenes Pfarramt inklusive Pfarrhaus. Einige Jahre herrschte Ruhe. Der Kirchenbauverein blieb allerdings weiter bestehen. Im Protokoll der Generalversammlung vom 1. Oktober 1976 ist vermerkt: «Der Verein muss nach Erreichen der ursprünglichen Ziele, nämlich Bau eines Gottesdienstlokales und eines Pfarrhauses, nicht aufgelöst werden. Ein eigentlicher Kirchenbau ist heute nicht aktuell, doch muss der Entwicklung Rechnung getragen werden.» (zitiert nach Müri, S. 2).
Und tatsächlich: Mitte der Achtzigerjahre wurde der Kirchenbauverein erneut aktiv. Darüber berichtete auch das Badener Tagblatt am 20. März 1987: «Nach fast achtjähriger Ruhepause erlebte der reformierte Kirchenbauverein Fislisbach (...) eine Wiederbelebung. (...) Dass der heutige Sakralraum der reformierten Kirchgemeinde Fislisbach auch von anderen Vereinen für ihre Anlässe benützt wird, ist kein Geheimnis. Genauso bekannt ist, dass man oft im Sonntagmorgengottesdienst noch die Rauchschwaden der samstäglichen Veranstaltungen schlucken muss. In diesem Zusammenhang verständliche der Ruf nach einem würdigeren Sakralraum, genügt der heutige doch bei Vollbesetzung den Frischluftbedingungen in keiner Weise.» (zitiert nach Müri, S. 3).

Damals stand der Wunsch nach einem eigenen Sakralbau auf dem Grundstück des bestehenden ökumenischen Kirchgemeindehauses im Vordergrund. Da jedoch der Gemeinderat Fislisbach die Friedhofanlage erweitern wollte und dafür dieses Land benötigte, wich man schliesslich auf das Grundstück im Gebiet Schönbühl aus. 1992 wurde ein Projektwettbewerb ausgeschrieben. Die Kirchgemeinde wünschte sich nicht nur ein vielseitig nutzbares Gemeindehaus, sondern auch einen Sakralbau als Ort der Stille und Besinnung. Das Rennen machte schliesslich ein Entwurf des Badener Architekturbüros Gassner & Rossini. Der Spatenstich fand im November 1995 statt, wenige Monate später wurde der Grundstein gelegt. Anfang April 1997 fand ein erster Gottesdienst im Saal des Kirchgemeindehauses statt. Im Mai 1997 wurde das reformierte Kirchgemeindezentrum mit einem mehrtägigen Fest eingeweiht. Damit der Bau überhaupt realisiert werden konnte, akzeptierte die Kirchgemeinde eine Erhöhung des Steuerfusses um vier Prozent – auch das ist ein Beweis, wie wichtig den Fislisbachern eine eigene Kirche war. Der bewilligte Baukredit betrug 4,6 Millionen Franken.
Im Bericht der «Aargauer Zeitung» vom 9. Mai 1997 zur Einweihung des Zentrums konnte man lesen: «In einer Zeit, wo die Zahl der Austritte auch in den Aargauer Landeskirchen gemäss der neuesten Statistik weiter zunimmt, hat die evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Mellingen – mit über 6000 Gemeindemitgliedern eine der grössten im Kanton – mit dem Bau eines neues Zentrums in der Teilkirchgemeinde Fislisbach viel Mut bewiesen.» (zitiert nach Müri, S. 21)

Die Aussenmauer der 1996 eingeweihten Kirche Fislisbach