Die Kirchen- und Baugeschichte

Vorgängerbauten

An der exponierten Stelle der heutigen Kirche über dem Dorf, auf einem Felssporn unterhalb der Festungsanlage, stand wohl spätestens seit etwa 1300 eine kleine Burgkapelle, die von einem Kaplan aus Zofingen kirchlich betreut wurde. Sie war St. Georg geweiht und bestand, wenn man einer alten Illustration von 1428 trauen kann, aus einem einfachen Saalbau unter Satteldach mit gedrungenem Turm mit Zeltdach. Nachdem das Gebäude 1484 zur Pfarrkirche erhoben worden und von Zofingen unabhängig geworden war, liess man die Kirche 1496 vergrössern, wofür auch der Berner Rat Gelder zur Verfügung stellte. Unter Berns Einfluss wurde die Kirche 1528 der protestantischen Konfession zugewiesen, was der zuvor katholische Seelsorger Heinrich Seratorius anstandslos akzeptierte. Wie so oft, folgten darauf einstweilen keine baulichen Veränderungen. Erst 1639 wurde an der westlichen Eingangsseite eine Vorhalle mit Pultdach angebaut, hundert Jahre später erfolgte eine Vergrösserung der Kirche und der Turm erhielt einen neuen Helm. Auf einer Ansicht von Emanuel Büchel von 1756 ist die Kirche als einfacher Satteldachbau sichtbar, der Turm mit Spitzhelm war bergseitig angebracht. 1819 wurde, wie eine Urkunde aus diesem Jahr besagt, die flache Holzdecke durch ein Gipsgewölbe ersetzt, das der Solothurner Stuckateur Johann Georg Rutsch fertigte; gleichzeitig wurde die Orgel repariert.

Der verheerende Stadtbrand vom 3. Mai 1840 zerstörte nebst den östlichen Häusern des Städtchens auch die Kirche. Der Brand wütete mitten in der Nacht, und geradezu gespenstisch mutete am nächsten Morgen der Anblick des Uhrzeigers an der Kirchenruine an, der noch auf Mitternacht zeigte, als die Flammen und ihre Hitze die Turmeinrichtungen zerstört hatten. Das Unglück stellte die Aarburger vor eine desolate Situation: Soeben war viel Geld für die neue Drahtseilbrücke, ein Schul- und eine Rathaus ausgegeben worden; die lange Zeit wirtschaftlich bedeutende Einnahmequelle der Flösserei ging entsprechend zurück, und für die eingeäscherte Kirche konnten von der Gebäudeversicherung gerade mal 7000 Franken eingeheimst werden. Nur dank finanziellem Beistand aus dem ganzen Land konnte Aarburg schliesslich den Wiederaufbau der zerstörten Gebäude in Angriff nehmen.

Baugeschichte

Die heutige Kirche entstand nach dem Stadtbrand und hat mit dem Vorgängerbau nur noch den Bauplatz gemeinsam. Architektonisch, stilistisch und auch in der Ausrichtung sollte sich der Neubau ganz andersartig als die alte Kirche präsentieren, und durch die Vergrösserung wurde auch der ehemalige Platz des Friedhofs nördlich der alten Kirche mitbeansprucht. Es dauerte zwei Jahre, bis sich die Behörden für einen Neubau des Basler Architekten Johann Jakob Heimlicher (1799–1848) entscheiden konnten. Zunächst sollte ein Projekt des Aarauer Zeichenlehrers an der Kantonsschule, Jakob Baldeschwyler, umgesetzt werden. Um es der Gemeinde endgültig zur Genehmigung zu beantragen, hielt eine eigens einberufene Kommission nicht weniger als 32 Sitzungen ab. Der Kantonsbaumeister Franz Heinrich Hemmann und der spätere Architekt Heimlicher, der zunächst nur um ein Gutachten angegangen worden war, hielten den Entwurf aber für nicht ausführbar. Heimlicher schien sich derart vernichtend geäussert zu haben, dass er um einen Gegenvorschlag gebeten wurde. Schliesslich kam er selber zum Zuge, denn man begrüsste an seinem Projekt die auf beiden Längsseiten des Kirchenschiffes vorgesehenen Emporen und deren grosses Platzangebot, das dank der Zweitürmigkeit durch eine grosse Zwischenfläche über dem Haupteingang erweitert wurde. Die Kanzel sollte, wie auch Taufstein und Altar, nahe an der Mittelachse des Schiffes aufgestellt werden, zudem versprach man sich eine gute Akustik und in der äusseren Wirkung ein «harmonisches Ganzes».

Die Behörden waren sich der würdevollen Aufgabe einer neuen Kirche bewusst und wollten ihrem Kunstsinn und ihrer Religiosität ein eindrucksvolles Denkmal setzen. Weil auch der Kantonsbaumeister Heimlichers Plan goutierte, konnte im Mai 1842 mit der Umsetzung begonnen werden. Ein leichtes Unterfangen war es nicht. Allein der Transport der Baumaterialien über die Treppen der steilen Felswand dürfte sich beschwerlich gestaltet haben. Zudem wurde während der Erbauung der Türme 1843 entdeckt, dass das Mauerwerk in der ersten Etage derart ungenügend verbunden war, dass die darüber liegenden Teile zur Ausbesserung nochmals abgebrochen werden mussten. Für die Ausstattung des Innenraums wurde die Bürgerschaft um Stiftungen für die Wappenscheiben gebeten, und weil mittels einer Kollekte gesammelt wurde, war es schliesslich möglich, dass alle Bürgergeschlechter des Ortes, ob arm oder reich, auf den insgesamt zehn Fenstern vertreten waren. Die Einweihung des Neubaus fand im November 1845 statt. Die Endabrechnung entlarvte zwar, dass sich die Ortsbürgergemeinde finanziell erheblich übernommen hatte, doch durch Abtretung der Kirche an die Einwohnergemeinde konnten die Schulden vorerst abgeschoben und schliesslich bis… 1925 (!) getilgt werden.

Renovationen

1880 und 1927 verursachten Gewitterstürme Beschädigungen an den Turmhelmen, was Neueindeckungen und Reparaturen erforderte. Eine tiefgreifende Renovation erfolgte 1939, als das klassizistische Interieur unter dem Architekten H. Wullschleger einer wesentlich schlichteren Ausstattung weichen musste. Decke, Wandtäfer, Emporenbrüstungen und Kanzel wurden durch neue Arbeiten in Holzwerk ersetzt. Seit 1960 ist die Kirche von der Stadt aus auch mittels eines Liftes erreichbar, 1995 wurde der Aussenbau restauriert.