Reformierte Kirchen im Aargau

Ein Projekt der Refomierten Kirche Aargau
Stritengässli 10, 5001 Aarau, ag@ref.ch

 

Die reformierte Kirche von Murgenthal im Ortsteil Glashütten, rechts das Pfarrhaus von 1822

Das Äussere

Jede Generation hat ihre eigenen Vorstellungen von sakraler Architektur. Das spielt aber nur dann eine Rolle, wenn der Bau ein neuen Kirchen geplant und umgesetzt werden muss, so, wie dies in Murgenthal in den frühen 1960er-Jahren der Fall war. Im Gegenzug für einen Neubau den Abriss eines altgedienten Gotteshauses ins Auge zu fassen, fällt schwer – vor allem den älteren Dorfbewohnern. Bereits ihre Urgrosseltern waren hier getauft, konfirmiert, getraut und beerdigt worden. So erstaunt es nicht, dass das Neubauprojekt 1958 wegen Stimmengleichstandes nur durch Stichentscheid des Kirchenpflegepräsidenten angenommen wurde.

Die neue Kirche steht nicht, wie seinerzeit die alte, hinter, sondern neben dem Pfarrhaus und umschliesst damit den erhöhten Vorplatz des modernen Gotteshaus. Das aus der Biedermeierzeit stammende schlichte Pfarrhaus mit Walmdach stellt einen interessanten Kontrast zwischen alt und neu dar. Aus der Vogelperspektive betrachtet erscheinen die beiden unterschiedlichen Bauwerke als eine im Lauf der Jahre zusammengewachsene Einheit, genauso, wie es der Architekt Benedikt Huber 1964 den teilweise kritischen Dorfbewohnern vorausgesagt hatte, indem er meinte: «Manches an der neuen Kirche mag heute noch etwas ungewohnt und fremd wirken (...) doch die Kirche wird sich bald in die schöne bewaldete Umgebung einpassen und so selbstverständlich dastehen, wie das Pfarrhaus und die alten Bauerngehöfte».

Auch der Kirchturm weist im Vergleich zur älteren Kirchenarchitektur eine erweiterte Bedeutung auf. Die Hauptaufgabe, Glockenstube und Turmuhr aufzunehmen, ist hier ergänzt durch eine gezielt architektonische Funktion. So steht der Turm neben der Kirchentüre und markiert von weit her den Zugang zum Gotteshaus. Seine zentrale Bedeutung ist auch daran erkennbar, dass er das grossflächige, ansteigende Dach trägt und damit auf den Mittelpunkt des Innenraums mit Kanzel, Abendmahlstisch, Taufstein und dem wenigen Schmuck verweist. Aus der Ferne scheint sich ein überdimensioniertes Zelt an den Kirchturm anzulehnen, ein zeittypisches Motiv der sakralen Architektur im 20. Jahrhundert, das sich mit den damals neu entwickelten weit spannenden Tragwerkkonstruktionen gut verwirklichen liess.

Mit dem Vorplatz wird Raum geschaffen, für Begegnungen und das Verweilen nach dem Gottesdienst. Auch hier zeigt sich wieder die veränderte Bedeutung des modernen Kirchenbaus im 20. Jahrhundert. Aussen- und Innenraum werden nicht mehr strikt getrennt. Ein grosser Vorplatz schafft Raum zum Verweilen nach dem Gottesdienst oder bei besonderen Anlässen, gleichzeitig verbindet er Pfarrhaus und Kirche mit ihren nutzbaren Räumen (Jugendraum, Bastelraum, Kirchensaal) im Untergeschoss.

Bei der Einweihung der neuen Kirche Murgenthal-Glashütten am 12. Juli 1964 zeigte sich erstmals die Bedeutung des Vorplatzes als zukünftiger Begegnungsort der Kirchgemeinde.

Das neue Kirchengebäude wurde bewusst – mitunter auch aus finanziellen Gründen – mit der jeweils einfachsten und zweckmässigsten Lösung realisiert, oder wie der Architekt Benedikt Huber es 1964 in seinen eigenen Worten beschrieben hat, «…in allen Teilen einfach und ohne unangepassten Luxus gestaltet. Die beiden wichtigsten Baumaterialien sind der verputzte Eisenbeton für Wände und Böden und die Holzkonstruktion, die aussen mit dunklem Eternit, im Innern mit Holztäfer verkleidet wurde».




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